Einziger Hofkonditor der Huntestadt

Oldenburg

 

Er sei bestrebt, durch "Führung guter Sachen und Stellung solider Preise das Wohlwollen der ihn Beehrenden zu erwerben", hieß es in Zeitungsanzeigen: Vor 125 Jahren hat Christian Klinge das Café Klinge in Oldenburg gegründet. Heute führt wieder ein Christian Klinge das Geschäft – in vierter Generation.

Das Gründerpaar Christian und Caroline Klinge.

 

Der Caféhaus-Gründer, ein Konditormeister aus Schwerin, kam im März 1883 nach Oldenburg zum Konditor Benjamin Czerwinsky in das Haus Theaterwall 13. Doch Czerwinsky starb bereits im November des Jahres. Christian Klinge übernahm das Geschäft und eröffnete es neu. Das Geschäft, das wenige Jahre nach der Gründung zum Theaterwall 47 umzog, lief gut. Nach vier Jahren heiratete Klinge Caroline Menke. Der Grundstein für eine 125-jährige Tradition war gelegt.

In vierter Generation

 

"Für mich ist das schon etwas Besonderes, das Café in vierter Generation zu führen", sagt Christian Klinge, der heute die Jubiläumsfeierlichkeiten offiziell eröffnet. Der 48-Jährige hat das Café 1987 übernommen. Zuvor hat er sich in der Branche umgesehen und viel für sich mitgenommen. "Ich war im Steigenberger in Berlin, im KaDeWE, im Plaza Hotel Bremen, in Malaysia und mehrere Monate auf der ,MS Europa'. Als mein Vater krank wurde und schließlich gestorben ist, bin ich in den elterlichen Betrieb eingestiegen", erzählt er. Anfangs sei das eine schwere Bürde gewesen, heute ist das Café immer wieder eine positive Herausforderung für ihn. Wie sein Ururgroßvater, dem nachgesagt wird, ein echter Künstler seines Handwerks gewesen zu sein, der unermüdlich neue Rezepte entwickelt und bis zur Perfektion verfeinert hat, ist auch Christian Klinge von diesem Geist beseelt. So zog es ihn jüngst nach Paris zu einem namhaften Chocolatier, um dort die Kakaomasse für seine eigene Schokoladenkreation zu finden. "Das war ein unvergessliches Erlebnis", erzählt er. "Dort gibt es nur Premium-Schokolade aus verschiedenen Ländern mit sehr unterschiedlichem Geschmack." Insgesamt zwölf Origine-Schokoladen probierte der Experte und entschied sich am Ende für Venezuela, Ghana und Papua Neuguinea.

Zart und mit einer Bitternote

 

"Ich bevorzuge zarten Schmelz", verrät er, "und eine gewisse Bitternote." Die hat er dort gefunden und lässt sie seither vom Pariser Chocolatier für sich mischen, um dann in seiner Konditormeisterei eine Schokolade zu kreieren, die etwas ganz Besonderes darstellt. "Laura Caroline" hat er sie getauft. "Laura heißt meine Tochter, Caroline meine Ururgroßmutter", klärt er auf. Einen ganzen Tag durfte er in Paris experimentieren. Irgendwann stand die Mischung fest, und dieses Geschmacksgeheimnis kennen nur der Chocolatier und die Familie Klinge. Heute wird im Café gefeiert. Natürlich steht die Schokolade dann im Mittelpunkt. Christian Klinge entwickelt derzeit zusätzlich eine Produktlinie aus Laura-Caroline-Schokolade, bestehend aus einer Mousse-au-Chocolat-Torte, einem Törtchen mit einem Orangenkern, einer Schokoladenschnitte sowie einer Praline. Christian Klinge hält viel von Tradition, sei sie doch die Grundlage für Bodenständigkeit und die Wahrung von Qualität sowie den nach vorn gerichteten Blick. "Ich profitiere bis heute von meinen Vorgängern", sagt er und blättert in alten handgeschriebenen Büchern, die voller Rezepte sind. "Einige bleiben ewige Renner", sagt Klinge. Andere habe er verfeinert oder verändert. Und so ist auch die Kundschaft gestrickt. Die Tradition in Form von Schwarzwälderkirsch- und Herrentorte darf nicht fehlen, aber die neuen Kreationen auch nicht. Denn das Publikum ist gemischt, aber qualitätsbewusst. Im Laufe des Jubiläumsjahres gibt es zahlreiche Veranstaltungen im Café Klinge. Süße Büffets und Kaffeehausmusik zum Frühstück, Jazz und Klassik zum Kaffee, eine exklusive Vorführung des Films "Chocolat" mit Johnny Depp und Juliette Binoche im Casablanca, natürlich mit Laura Caroline, versteht sich von selbst. Und am 13. August lädt Familie Klinge Oldenburger Firmen, die ebenfalls älter als 100 Jahre sind, zu einer Kaffeetafel ein. Wenn sie dann in Tradition vereint sind, können sie gewiss sein, in Oldenburgs einziger Hofkonditorei zu kaffeesieren. Am Weihnachtstag 1908 ernannte der Großherzog Nikolaus Friedrich Peter den Konditor Christian Klinge zum Hofkonditor. Als Hofkonditor bekam er die Möglichkeit, den großherzoglichen Hof in Oldenburg und in Rastede, die Gaststätte der Großherzoglichen Eisenbahn und darüber hinaus das Großherzogliche Theater zu beliefern

Kreiszeitung Wesermarsch
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